Mittwoch, 10. Februar 2016

Christen und Notwehr

Die Barbaren greifen die Frauen, die Kinder, die Senioren an. Nun für einen Christ stellt sich die Frage: Darf ich zur Verteidigung Gewalt anwenden ???

Ich kenne einen Bekannten, ein sogenannter pazifistischer Spiritueller, der meint tatsächlich, er würde nie Gewalt anwenden, denn es steht geschrieben "nicht mehr Aug um Aug, sondern andere Backe hinhalten". Dazu meint er noch selbstherrlich, ihm würde das sowieso nicht geschehen, denn er bete, er sei spirituell.

So ein ideologischer Irrsinn gibt es tatsächlich. Ich fragte ihn dann, warum denn das Beten dem Paulus, dem Petrus, all den Christen im Nahen Osten nicht geholfen habe. Darauf wusste er keine Antwort. Ich sagte ihm dann, er sei selbstherrlich, meine mehr Gunst bei Gott zu haben als alle anderen. Jesus hat uns nie versprochen, dass wir nicht verfolgt und nicht getötet werden. Jesus sagte uns das Gegenteil: "haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen" (Johannes 15:20) oder "und man wird etliche von euch töten" (Lukas 21:16) oder "wo jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu erweisen" (Johannes 16:2).

In der Selbstverteidigung gilt als erstes immer an einen sicheren Ort fliehen, wenn man kann, sonst Notwehr mit Gewalt bis der Angreifer nicht mehr angreift, bis das Opfer fliehen kann. Wir leben nicht mehr in friedlichen Zeiten, das Opfer ist immer zuerst am Tatort. Es gibt auch keine allgemeingültige Regel, man muss in der jeweiligen Situation reagieren.

Also zuerst immer: Lauf um dein Leben, wenn du eine Möglichkeit hast !!!

Oft greift der Täter feige von hinten an, deswegen zwischendurch nach hinten schauen, also Vorsichtsmassnahmen anwenden, aufmerksam sein, gucken, ob man verfolgt wird. Als Frau einen Notwehr-Gegenstand (Taschenmesser, Sicherheitsnadel, Pfefferspray usw.) bereit halten, wenn es unheimlich wird. Einsame Orte und Gefahrenzonen wie Parkplätze, Parkhäuser, Lifte, Toiletten, Unterführungen, Friedhöfe, Parkanlagen meiden. Joggerinnen, Velofahrerinnen, Wanderinnen, Gassi-Geherinnen sind besonders gefährdet, weil die Wege oft abseits verlaufen

Mit Notwehr verhindert man Schlimmeres. Notwehr nicht einsetzen, kann auch heissen, dass andere gefährdet werden. Ich muss nicht zuschauen, dass einer ein Kind vergewaltigt oder eine Frau erwürgt, denn hier gilt sogar die Nothilfe, ausser man gefährdet sich selbst. Wenn der Angreifer oder die Angreifer in der Übermacht sind, so soll man nicht den Held spielen und zu viel riskieren. Wenn man unterlegen ist, dann um Hilfe rufen. 

Hier ein Beispiel von einer Situation: Die Frau versucht auszuweichen, dreht den Rücken zur Tätergruppe, was der feige Angreifer ausnutzt. Sie hätte sofort spurten müssen. Irgendwie wehrt sich die Frau, aber eben nicht mit voll zuschlagen und nicht mit voller Wucht treten, sie wehrt sich so ein bisschen mit zerren. Es ist Tag und sehr belebt, sie könnte um Hilfe rufen, man hört nicht, ob sie schreit. Man kann auch einfach den Rucksack freiwilllig geben, denn der finanzielle Schaden ist ja nicht so gross, das im Sinne von "wer deinen Rock nehmen will, dem lass auch den Mantel" (obwohl es in der Bergpredigt um Genugtuung im Gerichtsfall geht). Wäre sie mental vorbereitet, dann hätte sie heftiger reagiert, denn Selsbtverteidigung ist auch mentales Training: Diebstahl in London 

Leider ist zur Notwehr und zur Selbstverteidigung im Evangelium nicht viel zu lesen. Eine einzige Anweisung gibt Jesus seinen Jünger, indem er sagte: "Und er sprach zu ihnen: Als ich euch aussandte ohne Beutel und Tasche und Schuhe, hat euch etwas gemangelt? Sie sprachen: Nichts! Nun sprach er zu ihnen: Aber jetzt, wer einen Beutel hat, der nehme ihn, gleicherweise auch die Tasche; und wer es nicht hat, der verkaufe sein Kleid und kaufe ein Schwert." (Lukas 22:35+36) 

Ein Schwert schreckt ab und lässt den Angreifer einschüchtern. Zudem dient ein Schwert damals einem Christen der Verteidigung, war von Jesus sogar bewilligt. Die "andere Backe hinhalten" wird oft falsch verstanden, denn da geht es um Rache. Wir sollen uns nicht rächen, eine Ohrfeige sollen wir nicht zurückgeben. Aber wo Verletzungsgefahr oder sogar Lebensgefahr besteht, da darf sich ein Christ wehren. Die Abwehr muss allerdings verhältnismässig sein, ich darf nicht töten, ich darf den Angreifer mit Gewalt abwehren, bis er nicht mehr angreift, so dass ich fliehen kann.

Auch bei diesem Vers wird uns nicht konkret gesagt, wie ein Christ den Dieb abwehren darf, wenn der gewaltätig eindringt. Aber es wird klar, dass man einem Dieb kein Diebesgut gibt, sondern den Einbruch verhindert: "Das aber merket: Wenn der Hausvater wüsste, zu welcher Stunde der Dieb käme, so würde er wachen und nicht in sein Haus einbrechen lassen." (Lukas 12:39)

Das Strafgesetz erlaubt die Notwehr: "Wird jemand ohne Recht angegriffen oder unmittelbar mit einem Angriff bedroht, so ist der Angegriffene und jeder andere berechtigt, den Angriff in einer den Umständen angemessenen Weise abzuwehren." (§ 15 Schweizerisches Strafgesetzbuch)
 

Video-Titel:
Krav maga Professional Demonstration !